Die vereidigten BerufskollegInnen in den Niederlanden fühlen sich vom Staat seit Langem verraten und verkauft. Doch nun haben sie genug. Für sie ist das Maß endgültig voll. Seit dem 13. Januar bestreiken erstmals in der Geschichte mindestens 1.500 von 2.600 der in den Niederlanden amtlich registrierten BerufskollegInnen sämtliche staatlichen Stellen des Landes, darunter insbesondere die Justizorgane. Zur Vorbereitung und Durchführung des Streiks hatte sich eine Aktionsgruppe von KollegInnen („Actiegroep Registertolken en -vertalers“) gebildet. Grund für den Ausstand sind seit Jahrzehnten bestehende und sich zukünftig womöglich noch weiter verschärfende Missstände im Zusammenhang mit der Beauftragung und Vergütung von vereidigten Sprachmittlern durch den niederländischen Staat.

Laut der Actiegroep soll der Streik zunächst eine Woche andauern, jedoch erforderlichenfalls so lange verlängert werden, „bis sich der Minister mit uns zu Gesprächen an den Tisch setzt“. Der gesamte Vorgang hat es auch bereits in die nationalen Medien geschafft. Lesen Sie hier (und hier in dt. Übersetzung), was zum Beispiel auf dem Nachrichtenportal twnews.nl zu dem Sprachmittlerprotest berichtet wird.

Die KollegInnen in unserem Nachbarland haben mit strukturell sehr ähnlichen Problemen wie wir hier in Deutschland zu kämpfen, allerdings ist die vom niederländischen Staat angebotene und bezahlte Vergütung noch niedriger als in Deutschland und soll durch die Einführung eines zentralisierten Ausschreibungssystems sogar noch weiter gesenkt werden.

Auch in den Niederlanden ist das Verhältnis zu den für den Staat tätigen SprachmittlerInnen also in erster Linie durch fiskalische Interessen und staatliche Kostendämpfungsbestrebungen geprägt, während die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen und rechtlichen Vorgaben genügenden Sprachmittlung in der Rechtspflege und darüber hinaus als absolut nachrangig behandelt sind.

Die Actiegroep hat neben einem berufspolitischen Manifest eine Protestresolution und einen Forderungskatalog betreffend eine angemessene Vergütung von für den Staat tätigen Sprachmittlern verfasst. Erfahren Sie hier (in dt. Übersetzung) Einzelheiten zu den kritisierten Missständen und den Forderungen der KollegInnen in den Niederlanden.

Der ADÜ Nord e. V. erklärt sich mit den obigen Anliegen der in den Niederlanden streikenden BerufskollegInnen solidarisch und unterstützt ihren Einsatz für bessere berufliche Rahmenbedingungen ausdrücklich. Folgen Sie unserer baldigen weiteren Berichterstattung.