Nachruf Barbara Uecker

Barbara Uecker

12. August 1941 – 16. Juli 2021

Barbara und ich gehörten der einstmals verbreitet tätigen Gruppe von Sprachmittlern an, die ihren Beruf als angestellte Übersetzer und Dolmetscher in den Übersetzungsabteilungen wirtschaftlicher Unternehmen ausüben konnten. Wir waren beide in den Sechzigern Absolventen des damals so geheißenen Auslands- und Dolmetscherinstituts der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim (heute anspruchsvoller klingend Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft), ohne einander dort begegnet zu sein. Wir lernten einander erst Jahre später kennen, obwohl wir beide in Hamburg in Unternehmen der Mineralölindustrie tätig waren, deren Zentralen beinahe alle in Hamburg angesiedelt waren. Es gab keine offiziellen Kontakte zwischen den Übersetzungsabteilungen der damaligen Esso, BP und Texaco/DEA.

Barbara lernte ich erst in den Siebzigern kennen, als ich in meiner Funktion als einer der Vizepräsidenten des BDÜ in meiner Zuständigkeit für die Mitglieder, die als angestellte Dolmetscher und Übersetzer in der Wirtschaft tätig waren, eine  Veranstaltungsreihe ins Leben rief und leitete, die unter der Bezeichnung „Praxis und Lehre“ Vertreter eben dieser beiden Felder zusammenführte, die voneinander lernen wollten, was besser gemacht werden kann in der Ausbildung der Sprachmittler. Barbara war als Leiterin der Übersetzungsabteilung der Texaco, später DEA, eine wertvolle Teilnehmerin der Veranstaltungsreihe, die an der Katholischen Akademie Schwerte stattfand. Ihre ruhige, aber bestimmte Art in der Diskussionsbeteiligung zeichnete sie aus. Es brauchte irgendwann nicht besonders viel Überredungskunst, sie zu aktiver Mitarbeit auf der Ebene des BDÜ-Landesverbands Hamburg und Schleswig-Holstein zu bewegen. So gehörte sie schließlich dem LV-Vorstand an und konnte sich als Delegierte ein eigenes Bild vom BDÜ machen. Nach dem Ausscheiden des Landesverbands aus dem BDÜ und der Neugründung als ADÜ Nord, von deren Notwendigkeit sie überzeugt war, hielt ihr Engagement an, und sie war in der Wahrnehmung der Mitglieder sicher bei den Veranstaltungen und Versammlungen weiterhin unübersehbar die ruhige, abwägende Stimme, die eben auch in einem Berufsverband wirken kann, wenn die Berufs- und Lebenserfahrung Diskussionsbeiträge substantiell erscheinen  lassen. Ein nicht zu übersehendes Bedürfnis nach Harmonie im Verband war außerdem typisch für Barbara.

Mit zunehmendem Alter und lange nach dem Ausscheiden aus der aktiven Berufstätigkeit wuchs auch bei ihr das Bewusstsein dafür, dass den rasanten Entwicklungen der Berufsausübung nicht mehr so leicht zu folgen ist. Die gesundheitlichen Probleme taten das ihrige, und so kam es dazu, dass Barbara uns, die wir aktiv mit ihr verbunden waren und ihr nahestanden, völlig überraschend nach tiefgreifenden Beeinträchtigungen verließ. Die Zahl derjenigen, die an dem Tag, an dem sie 80 Lebensjahre vollendet hätte, bei der Beisetzung ihrer Urne anwesend waren, darunter auch Berufskolleginnen und -kollegen, mögen als ein Zeugnis für die Wertschätzung des Menschen Barbara Uecker gelten.

Hartmuth Lange